Sokrates
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Sokrates ( Skráts * 469 v. Chr.; 399 v. Chr.) war ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph, der in Athen lebte und wirkte. Seine herausragende Bedeutung zeigt sich u. a. darin, dass alle griechischen Denker vor ihm als Vorsokratiker bezeichnet werden. Sokrates entwickelte die philosophische Methode eines strukturierten Dialogs, die er Mäeutik (Hebammenkunst) nannte. Diese Kunst der Gesprächsführung und ihre philosophischen Inhalte sind nur indirekt überliefert worden, da Sokrates selbst nichts Schriftliches hinterlassen hat. Mehrere seiner Schüler, der berühmteste unter ihnen Platon, haben sokratische Dialoge verfasst und unterschiedliche Züge seiner Lehre betont. Die unbeugsame Haltung des Sokrates in dem gegen ihn wegen angeblich verderblichen Einflusses auf die Jugend und wegen Missachtung der Griechischen Götter geführten Prozess hat zu seinem Nachruhm wesentlich beigetragen. Das Todesurteil nahm er als gültiges Fehlurteil gelassen hin; bis zur Hinrichtung durch den Schierlingsbecher beschäftigten ihn und die zu Besuch im Gefängnis weilenden Freunde und Schüler philosophische Fragen.
Nahezu alle bedeutenden philosophischen Schulen der Antike haben sich auf Sokrates berufen. Michel de Montaigne nannte ihn im 16. Jahrhundert den Meister aller Meister und noch Karl Jaspers schrieb: Sokrates vor Augen zu haben, ist eine der unerlässlichen Voraussetzungen unseres Philosophierens.Zit. n. Kaufmann, S. 93 (Montaigne), S. 8 (Jaspers).
Zu Sokrates' Lebzeiten war Athen als Vormacht im Attischen Seebund und infolge der Ausgestaltung der Attischen Demokratie das politisch-gesellschaftlich tiefgreifendem Wandel und vielfältigen Spannungen ausgesetzte kulturelle Zentrum Griechenlands. Daher gab es im 5. Jahrhundert v. Chr. gute Entfaltungschancen für neue geistige Strömungen in Athen. Eine solche breit angelegte, durch Lehrangebote auch wirksam hervortretende Geistesrichtung war die der Sophisten, mit denen Sokrates so vieles verband, dass er den Zeitgenossen oft selbst als Sophist galt: das Interesse für das praktische Leben der Menschen, für Fragen der Polis- und Rechtsordnung sowie der Stellung des Einzelnen darin, die Kritik der hergebrachten Mythen, die Auseinandersetzung mit Sprache und Rhetorik, außerdem Bedeutung und Inhalte von Bildung das alles beschäftigte auch Sokrates.
Was ihn von den Sophisten unterschied und zur geistesgeschichtlichen Gründerfigur machte, waren die darüber hinausgehenden Merkmale seines Philosophierens. Bezeichnend war z. B. sein stetiges, bohrendes Bemühen, den Dingen auf den Grund zu gehen und z. B. in der Frage Was ist Tapferkeit?, sich nicht mit Vordergründig-Augenscheinlichem zufrieden zu geben, sondern den besten Logos zur Sprache zu bringen, d. h. das von Zeit und Örtlichkeit unabhängige, sich gleichbleibende Wesen der Sache.Vgl. hierzu und zu den nachfolgend skizzierten originären Merkmalen der Sokratischen Philosophie: Pleger, S. 178180.
Methodisch neu zu seiner Zeit war die Mäeutik, das von Sokrates eingeführte Verfahren des philosophischen Dialogs zwecks Erkenntnisgewinn in einem ergebnisoffenen Forschungsprozess. Originär sokratisch war ferner das Fragen und Forschen zur Begründung einer philosophischen Ethik. Zu den von Sokrates erzielten Ergebnissen gehörte, dass richtiges Handeln aus der richtigen Einsicht folgt und dass Gerechtigkeit Grundbedingung des Seelenheils ist. Daraus ergab sich für ihn: Unrecht tun ist schlimmer als Unrecht leiden.
Daran knüpft sich ein viertes Element des mit Sokrates verbundenen philosophischen Neubeginns: die Bedeutung und Bewährung philosophischer Einsichten in der Lebenspraxis. In dem mit seinem Todesurteil endenden Prozess bescheinigte Sokrates seinen Widersachern, dass sie erkennbar im Unrecht seien. Gleichwohl lehnte er anschließend die Flucht aus dem Gefängnis ab, um sich nicht seinerseits ins Unrecht zu setzen. Die philosophische Lebensweise und die Einhaltung des Grundsatzes, dass Unrecht tun schlimmer ist als Unrecht leiden, gewichtete er höher als die Möglichkeit, sein Leben zu erhalten.Vgl. Pleger, S. 192194.
Seine Ausbildung habe sich, so der deutsche Althistoriker Alexander Demandt, in den gängigen Bahnen bewegt, was neben Alphabetisierung, Gymnastik und Musikerziehung auch Geometrie, Astronomie und das Studium der Dichter, zumal Homers, einschloss. Unter seinen Lehrern waren nach Platon auch zwei Frauen, nämlich Aspasia, die enge Vertraute des Perikles und die Seherin Diotima.Vgl. Alexander Demandt: Sokrates vor dem Volksgericht in Athen 399 v. Chr. In: ders. (Hrsg.), Macht und Recht. Große Prozesse in der Geschichte, München 1990, S. 9. Auf männlicher Seite werden neben dem bereits erwähnten Naturphilosophen Anaxagoras, mit dessen Schüler Archelaos Sokrates eine Reise nach Samos unternahm,Klaus Döring: Sokrates. In: Friedo Ricken (Hrsg.), Philosophen der Antike I, Stuttgart Berlin Köln 1996, S. 179. der Sophist Prodikos und der den Pythagoreern nahestehende Musiktheoretiker Damon genannt.Vgl. Pleger, S. 4849.
Zu einer Berufsausübung des Sokrates äußerte sich einzig der im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. schreibende Philosophiehistoriker Diogenes Laertios, der sich auf eine verlorene Quelle berief.Englische Übersetzung. Demnach hätte Sokrates wie sein Vater als Bildhauer gearbeitet und sogar eine Charitengruppe und eine Hermesfigur auf der Akropolis gestaltet. In den Überlieferungen seiner Schüler ist davon aber nirgends die Rede, so dass er diese Tätigkeit zumindest frühzeitig beendet haben müsste und auch wohl kaum zur Sprache brachte.
Konkrete Daten sind mit seinen militärischen Einsätzen im Peloponnesischen Krieg (431404 v. Chr.) verbunden: Als Hoplit mit schwerer Bewaffnung nahm er an der Belagerung von Potidaia 431-429 v. Chr. sowie an den Schlachten von Delion 424 v. Chr. und Amphipolis 422 v. Chr. teil. Das lässt darauf schließen, dass er nicht unbemittelt war; denn die Kosten für ihre Ausrüstung mussten die Hopliten selbst aufbringen.
Dem Feldherrn Laches und dem eigenen Schüler Alkibiades machte Sokrates im Felde großen Eindruck durch die Art, wie er Kälte, Hunger und sonstige Entbehrungen zu ertragen in der Lage war und wie er im Falle des militärischen Rückzugs bei Delion statt wie andere kopflos zu flüchten gemessenen Schrittes und jederzeit verteidigungsbereit Besonnenheit und entschlossenen Mut bewies.Eine satirische Version dazu hat Bertold Brecht in seiner 'Kalendergeschichte' "Der verwundete Sokrates" verfasst. Sokrates war bei Brecht von Beruf Schuster. Den Krieg wollte er ursprünglich nicht mitmachen und hat sich einen Dorn in den Fuß getreten, um auf diese Weise kampfunfähig zu werden. Weil er aber große Schmerzen und dazu noch Angst vor dem herannahenden Feind hat, schreit er laut, was vom Feind als wildentschlossenes Kriegsgeheul gedeutet wird, sodass die feindlichen Truppen sich zurückziehen. Sokrates gilt nun als Kriegsheld und verschweigt die wirklichen Zusammenhänge. Nur seinem Freund Alkibiades sagt er die Wahrheit. Alkibiades findet, dass die Wahrheit zu sagen tapferer sei, als im Krieg tapfer zu kämpfen. Den verwundeten Alkibiades hat er in Potidaia samt Waffen gerettet und hat eine Tapferkeitsauszeichnung, die ihm selbst zugestanden hätte, auf Alkibiades gelenkt. So wenigstens bezeugt es dieser in Platons Symposion und berichtet, wie er Sokrates in Poteidaia erlebt hat:
Denn keinem sonst willfahrn wir so gern von allen Erhabenheitsschwätzern
Wie dem Prodikos: ihm seiner Weisheit zu lieb, seiner Einsicht; und außer ihm dir noch,
Weil du stolz in den Gassen herumflanierst und die Augen rundum lässest schweifen,
Stets barfuß und ohne Empfindlichkeit und im Glauben an uns voller Dünkel.Zit. n. Martin, S. 8283.}}
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Nahezu alle bedeutenden philosophischen Schulen der Antike haben sich auf Sokrates berufen. Michel de Montaigne nannte ihn im 16. Jahrhundert den Meister aller Meister und noch Karl Jaspers schrieb: Sokrates vor Augen zu haben, ist eine der unerlässlichen Voraussetzungen unseres Philosophierens.Zit. n. Kaufmann, S. 93 (Montaigne), S. 8 (Jaspers).
Mittelpunkt einer geistesgeschichtlichen Wende :
Sokrates habe die Philosophie als Erster vom Himmel auf die Erde heruntergerufen, unter den Menschen angesiedelt und zum Prüfinstrument der Lebensweisen, Sitten und Wertvorstellungen gemacht, bemerkte Cicero, der römische Politiker und vorzügliche Kenner der griechischen Philosophie.Cicero kannte allerdings nicht alle Quellen, die heutigen Historikern zur Verfügung stehen. Vgl. Pleger, S. 29. In Sokrates sah er die Abkehr von der ionischen Naturphilosophie personifiziert, die bis 430 v. Chr. durch Anaxagoras in Athen prominent vertreten war. Sokrates wurde zum Kritiker des Anoxagoras, obwohl er von dessen Vernunftprinzip beeindruckt war, weil er bei ihm die Anwendung der Vernunft auf menschliche Problemstellungen vermisste.Pleger, S. 169170. Allerdings war Sokrates, anders als Cicero glaubte, nicht der Erste oder Einzige, der die menschlichen Belange in den Mittelpunkt seines philosophischen Denkens stellte.Zu Sokrates' Lebzeiten war Athen als Vormacht im Attischen Seebund und infolge der Ausgestaltung der Attischen Demokratie das politisch-gesellschaftlich tiefgreifendem Wandel und vielfältigen Spannungen ausgesetzte kulturelle Zentrum Griechenlands. Daher gab es im 5. Jahrhundert v. Chr. gute Entfaltungschancen für neue geistige Strömungen in Athen. Eine solche breit angelegte, durch Lehrangebote auch wirksam hervortretende Geistesrichtung war die der Sophisten, mit denen Sokrates so vieles verband, dass er den Zeitgenossen oft selbst als Sophist galt: das Interesse für das praktische Leben der Menschen, für Fragen der Polis- und Rechtsordnung sowie der Stellung des Einzelnen darin, die Kritik der hergebrachten Mythen, die Auseinandersetzung mit Sprache und Rhetorik, außerdem Bedeutung und Inhalte von Bildung das alles beschäftigte auch Sokrates.
Was ihn von den Sophisten unterschied und zur geistesgeschichtlichen Gründerfigur machte, waren die darüber hinausgehenden Merkmale seines Philosophierens. Bezeichnend war z. B. sein stetiges, bohrendes Bemühen, den Dingen auf den Grund zu gehen und z. B. in der Frage Was ist Tapferkeit?, sich nicht mit Vordergründig-Augenscheinlichem zufrieden zu geben, sondern den besten Logos zur Sprache zu bringen, d. h. das von Zeit und Örtlichkeit unabhängige, sich gleichbleibende Wesen der Sache.Vgl. hierzu und zu den nachfolgend skizzierten originären Merkmalen der Sokratischen Philosophie: Pleger, S. 178180.
Methodisch neu zu seiner Zeit war die Mäeutik, das von Sokrates eingeführte Verfahren des philosophischen Dialogs zwecks Erkenntnisgewinn in einem ergebnisoffenen Forschungsprozess. Originär sokratisch war ferner das Fragen und Forschen zur Begründung einer philosophischen Ethik. Zu den von Sokrates erzielten Ergebnissen gehörte, dass richtiges Handeln aus der richtigen Einsicht folgt und dass Gerechtigkeit Grundbedingung des Seelenheils ist. Daraus ergab sich für ihn: Unrecht tun ist schlimmer als Unrecht leiden.
Daran knüpft sich ein viertes Element des mit Sokrates verbundenen philosophischen Neubeginns: die Bedeutung und Bewährung philosophischer Einsichten in der Lebenspraxis. In dem mit seinem Todesurteil endenden Prozess bescheinigte Sokrates seinen Widersachern, dass sie erkennbar im Unrecht seien. Gleichwohl lehnte er anschließend die Flucht aus dem Gefängnis ab, um sich nicht seinerseits ins Unrecht zu setzen. Die philosophische Lebensweise und die Einhaltung des Grundsatzes, dass Unrecht tun schlimmer ist als Unrecht leiden, gewichtete er höher als die Möglichkeit, sein Leben zu erhalten.Vgl. Pleger, S. 192194.
Lebensweg des Philosophen :
Über den Werdegang des Sokrates ist für die erste Lebenshälfte kaum etwas und danach auch nur Lückenhaftes bekannt. Die biographischen Hinweise beruhen im Wesentlichen auf drei zeitgenössischen Quellen, die ein zum Teil widersprüchliches Bild zeichnen. Dabei handelt es sich um den Komödiendichter Aristophanes sowie zwei Schüler des Sokrates, nämlich den Historiker Xenophon und den Philosophen Platon, letzterer die wichtigste Sokrates-Quelle überhaupt. Unter den Nachgeborenen haben vor allem der Platon-Schüler Aristoteles und im dritten Jahrhundert n. Chr. der Doxograph Diogenes Laertios Hinweise beigesteuert. Darüber hinaus sind nur verstreute Notizen, Anmerkungen oder Anekdoten weiterer Autoren der griechischen und der lateinischen Literatur überliefert.Herkunft, Bildung, Militäreinsätze :
Sokrates wurde 469 v. Chr. im attischen Demos Alopeke geboren. Seine Eltern waren Sophroniskos, der ein Steinmetz oder Bildhauer gewesen sein soll, und die Hebamme Phainarete. Aus einer vorangehenden Ehe seiner Mutter hatte er einen Halbbruder Patrokles.Seine Ausbildung habe sich, so der deutsche Althistoriker Alexander Demandt, in den gängigen Bahnen bewegt, was neben Alphabetisierung, Gymnastik und Musikerziehung auch Geometrie, Astronomie und das Studium der Dichter, zumal Homers, einschloss. Unter seinen Lehrern waren nach Platon auch zwei Frauen, nämlich Aspasia, die enge Vertraute des Perikles und die Seherin Diotima.Vgl. Alexander Demandt: Sokrates vor dem Volksgericht in Athen 399 v. Chr. In: ders. (Hrsg.), Macht und Recht. Große Prozesse in der Geschichte, München 1990, S. 9. Auf männlicher Seite werden neben dem bereits erwähnten Naturphilosophen Anaxagoras, mit dessen Schüler Archelaos Sokrates eine Reise nach Samos unternahm,Klaus Döring: Sokrates. In: Friedo Ricken (Hrsg.), Philosophen der Antike I, Stuttgart Berlin Köln 1996, S. 179. der Sophist Prodikos und der den Pythagoreern nahestehende Musiktheoretiker Damon genannt.Vgl. Pleger, S. 4849.
Zu einer Berufsausübung des Sokrates äußerte sich einzig der im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. schreibende Philosophiehistoriker Diogenes Laertios, der sich auf eine verlorene Quelle berief.Englische Übersetzung. Demnach hätte Sokrates wie sein Vater als Bildhauer gearbeitet und sogar eine Charitengruppe und eine Hermesfigur auf der Akropolis gestaltet. In den Überlieferungen seiner Schüler ist davon aber nirgends die Rede, so dass er diese Tätigkeit zumindest frühzeitig beendet haben müsste und auch wohl kaum zur Sprache brachte.
Konkrete Daten sind mit seinen militärischen Einsätzen im Peloponnesischen Krieg (431404 v. Chr.) verbunden: Als Hoplit mit schwerer Bewaffnung nahm er an der Belagerung von Potidaia 431-429 v. Chr. sowie an den Schlachten von Delion 424 v. Chr. und Amphipolis 422 v. Chr. teil. Das lässt darauf schließen, dass er nicht unbemittelt war; denn die Kosten für ihre Ausrüstung mussten die Hopliten selbst aufbringen.
Dem Feldherrn Laches und dem eigenen Schüler Alkibiades machte Sokrates im Felde großen Eindruck durch die Art, wie er Kälte, Hunger und sonstige Entbehrungen zu ertragen in der Lage war und wie er im Falle des militärischen Rückzugs bei Delion statt wie andere kopflos zu flüchten gemessenen Schrittes und jederzeit verteidigungsbereit Besonnenheit und entschlossenen Mut bewies.Eine satirische Version dazu hat Bertold Brecht in seiner 'Kalendergeschichte' "Der verwundete Sokrates" verfasst. Sokrates war bei Brecht von Beruf Schuster. Den Krieg wollte er ursprünglich nicht mitmachen und hat sich einen Dorn in den Fuß getreten, um auf diese Weise kampfunfähig zu werden. Weil er aber große Schmerzen und dazu noch Angst vor dem herannahenden Feind hat, schreit er laut, was vom Feind als wildentschlossenes Kriegsgeheul gedeutet wird, sodass die feindlichen Truppen sich zurückziehen. Sokrates gilt nun als Kriegsheld und verschweigt die wirklichen Zusammenhänge. Nur seinem Freund Alkibiades sagt er die Wahrheit. Alkibiades findet, dass die Wahrheit zu sagen tapferer sei, als im Krieg tapfer zu kämpfen. Den verwundeten Alkibiades hat er in Potidaia samt Waffen gerettet und hat eine Tapferkeitsauszeichnung, die ihm selbst zugestanden hätte, auf Alkibiades gelenkt. So wenigstens bezeugt es dieser in Platons Symposion und berichtet, wie er Sokrates in Poteidaia erlebt hat:
Lehrtätigkeit und Schülerkreis :
Seinen Wirkungsmittelpunkt hatte Sokrates auf dem belebten Marktplatz von Athen, wie Xenophon verdeutlichte: So tat gerade er stets alles in voller Öffentlichkeit. Am frühen Morgen ging er nämlich nach den Säulenhallen und Turnschulen, und wenn der Markt sich füllte, war er dort zu sehen, und auch den Rest des Tages war er immer dort, wo er mit den meisten Menschen zusammen sein konnte. Und er sprach meistens, und wer nur wollte, konnte ihm zuhören.Xenophon: Erinnerungen an Sokrates (Memorabilia) I,1,10; zit. n. Kaufmann, S. 37. Die satirische Lesart dazu gab Aristophanes in seiner Komödie Die Wolken, wo Sokrates Hauptfigur ist und vom Chor so angesprochen wird:| Zeitraum | Ereignisse |
|---|---|
| 469 v. Chr. | Geburt des Sokrates |
| 465 v. Chr. | Leukipp, Lehrer des Demokrit, lehrt als Erster, dass alle Dinge aus unteilbaren Teilchen (Atome) zusammengesetzt sind. |
| 460 v. Chr. | Geburt des Demokrit |
| 443429 v. Chr. | Athen wird zur Kulturhauptstadt Attikas. Wichtige Persönlichkeiten des Geisteslebens halten sich zeitweise in Athen auf. Zu ihnen gehörten auch die Philosophen Anaxagoras, Protagoras, Hippias von Elis. Nicht nur politisch bedeutsame Persönlichkeiten wie Perikles und Kallias nehmen regen Anteil an philosophischen Fragestellungen und künstlerischen Entwicklungen. |
| 441440 v. Chr. | Sokrates unternimmt mit dem Anaxagoras-Schüler Archelaos eine Reise auf die Insel Samos. |
| 432 v. Chr. | In Athen wird ein Gesetz gegen Gottlosigkeit verabschiedet. |
| 431429 v. Chr. | Feldzug gegen Poteidaia, an dem Sokrates als Hoplit teilnimmt. |
| 428 v. Chr. | Aufführung von Euripides' Hippolytos. |
| 424 v. Chr. | Sokrates nimmt am Feldzug gegen Delion teil. |
| 423 v. Chr. | Sokrates wird als Hauptfigur der Komödie Die Wolken von Aristophanes zur Zielscheibe des allgemeinen Spottes. |
| 422 v. Chr. | Feldzug gegen Amphipolis, an dem Sokrates als Hoplit teilnimmt. |
| 418413 v. Chr. | Alkibiades, der Sokrates-Schüler, spielt eine politisch einflussreiche Rolle in Athen: Er überredet die Athener zu einer militärischen Großoperation, der sizilischen Expedition, wird aber 415 entmachtet und später aus Athen verbannt. |
| 416 v. Chr. | Sokrates erscheint als Ehrengast auf einem berühmten Gastmahl (Platons Symposion), das anlässlich des Tragödiensieges des jungen Agathon stattfindet. |
| ca. 407 v. Chr. | Platon wird Schüler von Sokrates |
| 406 v. Chr. | Sokrates nimmt als Ratsmitglied am Prozess gegen die Feldherren der Arginusenschlacht teil. Vergeblich widersetzt er sich einem ungesetzlichen Volksbeschluss. |
| 404 v. Chr. | Die Spartaner erobern Athen. Sokrates leistet Widerstand gegen ungesetzliche Maßnahmen während der nun folgenden Herrschaft der Dreißig Tyrannen. |
| 399 v. Chr. | Nach der Restauration der Demokratie kommt es zu Prozess, Verurteilung und Hinrichtung des Sokrates. |
Siehe auch :
- Philosophie der Antike
- Sokratischer Dämon
Literatur :
Quellenausgaben :
- Platon: Apologie. Kriton. Stuttgart 1982
- Platon: Sämtliche Werke in drei Bänden. Herausgegeben von Erich Loewenthal. Unveränderter Nachdruck der 8. Aufl. von 1982, Darmstadt 2004. Platon-Dialoge werden in der obigen Darstellung meist nach der Stephanus-Paginierung zitiert.
- Xenophon: Die sokratischen Schriften. Stuttgart 1956
- Xenophon: Erinnerungen an Sokrates. Ditzingen 1980 Stellenbelege dazu werden in der obigen Darstellung allgemein gemäß der gängigen lateinischen Werkbezeichnung unter Memorabilia ausgewiesen.
Sekundärliteratur :
- Gernot Böhme: Der Typ Sokrates. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1992.
- M. Breitbach: Der Prozess des Sokrates Verteidigung der oder Anschlag auf die athenische Demokratie? Ein Beitrag aus rechtswissenschaftlicher Perspektive. In: Gymnasium 112 (2005), S. 321343.
- Klaus Döring: Sokrates. In: Friedo Ricken (Hrsg.), Philosophen der Antike I, Stuttgart Berlin Köln 1996, S. 178180.
- Klaus Döring: Die sog. kleinen Sokratiker und die von ihnen begründeten Traditionen. In: Friedo Ricken (Hrsg.), Philosophen der Antike I. Stuttgart Berlin Köln 1996, S. 194196.
- Günter Figal: Sokrates. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54747-8.
- Hellmut Flashar (Hg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie, Die Philosophie der Antike. Bd. 2/1. Sophistik, Sokrates, Sokratik, Mathematik, Medizin. Basel 1998, ISBN 978-3-79651036-6.
- Eva-Maria Kaufmann: Sokrates. München 2000.
- Christoph Kniest: Sokrates zur Einführung. Junius, Hamburg 2003, ISBN 3-88506356-5.
- Ekkehard Martens: Sokrates. Eine Einführung. Stuttgart 1992 (2004).
- Gottfried Martin: Sokrates. Hamburg 1967.
- Andreas Patzer (Hg.): Der historische Sokrates. WBG, Darmstadt 1987.
- Wolfgang H. Pleger: Sokrates. Der Beginn des philosophischen Dialogs. Reinbek 1998.
- C. C. W. Taylor: Sokrates. Herder, Freiburg 1999.
- Gregory Vlastos: Socrates. Ironist and Moral Philosopher. Cambridge New York u.a. 1991.
Weblinks :
- Artikel von J. Malitz: Sokrates im Athen der Nachkriegszeit (404399 v.Chr.)
- Die platonischen Dialoge
- Sokratische Gespräche aus Xenophons denkwürdigen Nachrichten von Sokrates
Anmerkungen :
| NAME=Sokrates | |
| ALTERNATIVNAMEN | Sokratis (griechisch) |
|---|---|
| KURZBESCHREIBUNG | griechischer Philosoph |
| GEBURTSDATUM | 469 v. Chr. |
| GEBURTSORT | Athen |
| STERBEDATUM | 399 v. Chr. |
| STERBEORT | Athen |